Gregor I. der Große (Gregorius Magnus)
Namenstage: Gregor
Funktion: Heiliger, Papst, Kirchenlehrer, einer der vier großen lateinischen Kirchenväter
Gedenktag: 3. September
Patronat: des kirchlichen Schulwesens und des Chorgesanges, der Bergwerke, Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher, Posamenter; gegen Gicht und Pest
Gregor wurde um 540 in Rom als Sohn einer wohlhabenden und angesehenen Patrizierfamilie geboren und genoss eine umfassende Ausbildung. Mit 30 Jahren war er Präfekt der Stadt Rom und somit an der Spitze der Verwaltung. Nach dem Tod seines Vaters zog sich Gregor von seinem Amt zurück und wandelte sein Elternhaus in ein dem Heiligen Andreas gewidmetes Benediktinerkloster um, in das er 575 selbst eintrat. In Sizilien ließ er weitere sechs Klöster gründen. Sein zurückgezogenes Leben im Kloster währte nicht lange, denn zwei Jahre später ernannte ihn Papst Benedikt I. zu einem der sieben römischen Diakone.
579 wurde Gregor von Papst Pelagius II. an den Hof des Kaisers in Konstantinopel (heute Istanbul) gesandt, um zwischen ihm und dem Kaiser zu vermitteln. Etwa sechs Jahre später kehrte Gregor nach Rom zurück und fungierte als Berater von Pelagius. Nach dessen Tod wurde er zum Nachfolger gewählt und am 3. September 590 geweiht.
In den rund 14 Jahren als Oberhaupt der katholischen Kirche entfaltete Gregor I. eine Vielzahl von Aktivitäten und war in seinem Wirken sehr erfolgreich. In Rom, das 592/593 von den Langobarden belagert worden war, kümmerte sich Gregor um den Wiederaufbau der Verwaltung. Er verwendete die Besitztümer der Kirche (die über große Ländereien verfügte) dazu, die bedürftige Bevölkerung zu versorgen und zu beschützen. Durch diese Übernahme politischer Macht bereitete er die Entstehung des Kirchenstaates vor. Innerhalb der Kirche achtete Gregor auf die strenge Einhaltung der Regeln und förderte das Klosterleben. Er reformierte die Liturgie, ließ eine Bestandsaufnahme der Kirchenlieder machen und ordnete diese neu (Vorbereitung für die Einführung der »Gregorianischen Choräle«).
Gregor I. sah es auch als seine Aufgabe an, die katholische Lehre weiterzuverbreiten bzw. in Gebiete zurückzubringen, die davon abgefallen waren. Äußerst erfolgreich war er mit diesem Vorhaben bei der Rechristianisierung von England: 597 entsandte er mehrere Mönche unter der Führung des Augustinus von Canterbury (der selbst Abt im Andreaskloster in Rom war) nach England. Hilfreich für das Gelingen dieses Unternehmens waren sicher die guten Beziehungen Gregors zum Frankenkönig Childebert II., dessen christliche Tochter Bertha mit dem König von Kent verheiratet war. Ähnliche Erfolge hatte er in Spanien (hier war der Arianismus unter den Westgoten verbreitet) und bei den Langobarden, deren Königin Theodelinde er zum katholischen Glauben bekehrte.
Diese Ergebnisse erzielte Gregor I. nicht zuletzt deswegen, weil er diplomatisch vorging und gegenüber den Eigenarten der verschiedenen Völker einfühlsam war. (So veranlasste er z. B., dass in England die Götzentempel nicht zerstört, sondern zu christlichen Kirchen umgewandelt wurden, und aus den üblichen heidnischen Tieropfern ein religiöses Gastmahl vor der Kirche wurde.) Die Kombination aus religiösem Sendungsbewusstsein, diplomatischem Geschick, aufrechtem Charakter und Einfühlungsvermögen machte Gregor I. zu einem der bedeutendsten Kirchenführer des ersten Jahrtausends.
Als Papst Gregor I. am 12. März 604 starb, hinterließ er zahlreiche theologische Schriften, die großen Einfluss auf die folgenden Jahrhunderte hatten. Dazu gehören z.B. »Moralia in Job« als eine Art Sittenlehre zum Buch Hiob und »Liber regulae pastoralis« als Beschreibung der Aufgaben eines Seelsorgers. In seinen »Dialogi« findet sich eine Sammlung von Legenden über das Leben vieler Heiliger aus seiner Zeit.
Gregor I. wurde in der Peterskirche in Rom begraben; er wurde bald »der Große« genannt. Bereits um 800 zählte man ihn zu den Kirchenlehrern, und seit 1295 trägt er den Ehrentitel »Kirchenvater « – neben Ambrosius (Bischof von Mailand; 340–97; Heiliger), Hieronymus (um 347–419; Heiliger) und Augustinus (Bischof von Hippo; 354–430; Heiliger).
Um eine so angesehene Persönlichkeit ranken sich eine Menge Legenden, z. B.: Klerus, Senat und das Volk von Rom waren sich 590 einig darüber, dass Gregor der Nachfolger des verstorbenen Papstes Pelagius II. werden sollte. Er aber wollte dieses Amt nicht annehmen. In einem Fass versteckt ließ er sich aus der Stadt bringen und verbarg sich. Allein eine Lichterscheinung wies auf seinen Aufenthaltsort hin, so dass er entdeckt wurde (und schließlich das Amt annahm).
Darstellung: in päpstlichem Ornat, Arme bedienend; oft zusammen mit den anderen drei Kirchenvätern Ambrosius, Augustinus und Hieronymus
Attribute: Tiara, Kreuzstab (mit drei Querbalken); Buch, Schreibfeder (Gelehrsamkeit); Taube auf der Schulter (Symbol des Hl. Geistes), Fegefeuer (Gregoriusmesse)

Quelle: Herder-Verlag









